pool - Oktober 2005  

 
soul food
mit scheinbarer leichtigkeit steht der elefant auf dem apfel, der für ihn die welt bedeutet behutsam hält er mit seinem mächtigen rüssel eine biene in ungeahnte höhen, die den fantastischen blick in die ferne und den sieg über all die hässlichkeit und gewalt unserer wirklichkeit feiert. die illustration zum „fabelbuch“ steht exemplarisch für die liebevoll hintergründigen darstellungen in den zeichnungen silke lefflers. mit großer hingabe zur phantasie, zur behutsamkeit und sensibilität vermittelt die illustratorin ein sanftes, gezeichnetes statement für mehr harmonie und … liebe.
fliegende giraffen, tanzende fische, autos aus zitronen und feenhafte damen und herren, die mit herzens-frisuren, lieblichen blumenhüten und taschen in gieskannenform durch puppenhafte städte und verwunschene landschaften stolzieren. und immer wieder herzen, überall herzen, die in wunderschönen gärten, auf hausdächern und in den bergen wachsen und all die stolzen, unperfekten, dicken und dünnen, fröhlichen und traurigen menschen mit ihrer liebe anstecken … verzaubern, zu mehr sanftmut aufrufen. in der unendlichen phantasiewelt der illustratorin silke leffler wird ein bild der filigranen harmonie zwischen mensch und natur gezeichnet. in den fantasievollen, märchenhaften reisen zählt das kleine, das leibliche viel mehr als das mächtige, das übergroße, verdrängende, zerstörerische. dimensionen werden relativiert, bonbons so groß wie menschen und die verzierte stofftapete zum schauplatz romantischer begegnungen. es ist wie die entführung in eine welt der anmutenden grazie und der unbefangenheit, wo es trozt unterschieden zwischen den lebewesen nur ein friedliches, ein harmonisches miteinander geben kann, geben muss. viele der gezeichneten fabelwesen, der üppigen blüten, der liebesszenen und wunderlichen landschaften finden sich mittlerweile in prämierten, weltweit vertriebenen büchern, ebenso wie auf karten kalendern, geschenkpapieren und papetierie-produkten. über ihre arbeit zwischen phantasie und wirklichkeit, über die faszination an der natur und über das kindliche lauschen erzählt die 35jährige illustratorin und mutter eines sohnes, silke leffler, im nachfolgend gespräch.

liebe silke, erzähle ein wenig aus deinem leben. woher kommst du, was hast du bisher so gemacht?
ich bin gebürtige vorarlbergerin. dank reiselustiger eltern bin ich in holland, in österreich, in verschiedenen ländern afrikas und in süddeutschland aufgewachsen. die schule absolvierte ich in bayern. nach dem abitur machte ich eine schneiderlehre, studierte textildesign und arbeitete für ein designstudio in england. seit 1996 arbeite ich als frei schaffende textildesignerin für namhafte internationale firmen in den bereichen dekostoffe, teppiche und andere heimtextilien. da es mitunter einer meiner größten wünsche war, kinderbücher zu illustrieren, versuchte ich mir dahingehend ein zweites standbein zu schaffen. seit 1998 arbeite ich als illustratorin mit einigen verlagen im papeterie- und kinderbuchbereich zusammen. bislang habe ich eine vielzahl von stoffen entworfen und unzählige viele karten, geschenkpapiere, kalender und insgesamt acht kinderbücher illustriert. einige davon wurden bereits in andere sprachen übersetzt, beispielsweise in englisch, französisch, koreanisch usw.

woran erinnerst du dich am liebsten aus deiner kindheit?
da gibt es ein paar dinge, an die ich mich sehr gerne erinnere: zum beispiel, wenn ich als kind früh morgens barfüssig über die mit tau benetzte sommerwiese durch die schafkoppel in den wald gelaufen bin, oder an die safaris mit meinen eltern in afrika. diese waren stets reich an erlebnissen … einmal, daran erinnere ich mich ganz besonders, sind wir mit unserem landrover parallel zu einer trabenden elefantenherde gefahren. es waren weit über 100 elefanten und der ganze boden bebte und vibrierte. wir „mussten“ stehen bleiben, um diesen einzigartigen und auch nicht ganz ungefährlichen moment, anmutend bestaunen zu können. gerne erinnere ich mich auch an die zeit bei meinen großeltern zurück, die in einer einfachen hütte in den voralberger bergen lebten. ich schätze mich sehr glücklich, eine so schöne kindheit gehabt zu haben.

hast du dich als kind auch schon immer gerne zeichnerisch ausgedrückt, dich mit zeichnungen „verständlich gemacht“?
ich habe auch schon als kind immer nur gezeichnet. farben stifte und papier begeisterten mich schon von klein auf. es war für mich das schönste, die zeit in einem raum mit vielen mir lieben menschen zu verbringen, malend und zeichnend in einer ecke zu sitzen und ihren gesprächen zu lauschen …

in deinen illustrationen, die geprägt sind von märchenhafter fantasie und zartheit, wird sowohl die liebe zur natur als auch die liebe zu den kindern deutlich. was fasziniert dich besonders an den kindern und an der natur?
an der kindern fasziniert mich besonders, dass sie so unvoreingenommen den augenblick leben können. kinder können ungeniert freude zeigen, sind so unendlich begeisterungsfähig. in ihrer welt ist alles möglich, ihre fantasie ist grenzenlos, sie schenken einem zeit für spontane dinge, lassen einem freude an simplen dingen finden und lehren einem immer wieder, die dinge neu zu entdecken. ich für mich persönlich glaube, nie aus dieser kinderwelt entrückt zu sein … das so genannte „erwachsen sein“ ist so fern. an der natur fasziniert mich immer wieder, dass sie in sich so stimmig ist. beispielsweise beim betrachten einer blume, da spüre ich immer wieder aufs neue eine wärme der begeisterung in mir aufsteigen. blütenblättchen für blütenblättchen werden zu prachtvollen erscheinungen geformt, eine blume ist schöner als die andere – das wunder natur.
astrid lindgren meinte einmal, dass das urspüngliche, glückliche leben beim kind und dessen harmonie mit der natur und allem lebendigen im einklang mit dem spielen und lauschen liegt. was sagst du zu dieser aussage?
in dieser aussage von astrid lindgren steckt für mich sehr viel wahres, ich teile sie uneingeschränkt mit ihr.